Nachhaltigkeit im Tourismus in Costa Rica

Nachhaltigkeit –jetzt sind wir uns doch mal ehrlich. Wie weit geht unser aller Beitrag wenn es Umweltschutz und Nachhaltigkeit heißt denn nun wirklich? Im Alltagsleben wahrscheinlich so Lala.

Das ein oder andere Mal wird uns da schon das schlechte Gewissen plagen und uns wachrütteln. Aber im Urlaub? Da soll es uns doch rund um gut gehen und verzichten wollen wir da schon garnicht. Schließlich verzichten wir doch das ganze Jahr ohnehin immer.

Sanfter Tourismus

Aber was genau bedeutet sanfter Tourismus jetzt überhaupt? Grundsätzlich mal versteht man darunter „Nachhaltigen Tourismus“ und damit eine Form des Reisens die 3 ganz wesentliche Anliegen verfolgt:

  1. So wenig wie möglich auf die dortige Natur einzuwirken bzw. ihr womöglich noch zu schaden.
  2. Die Natur möglichst nah, ursprünglich und intensiv zu erleben.
  3. Sich der Kultur des bereisten Landes anzupassen.

Neben dem ökologischen Aspekt spielen hier aber auch der soziokulturelle sowie der wirtschaftliche Aspekt eine Rolle. Laut der Welttourismusorganisation (UNWTO) ist Tourismus nachhaltig, wenn seine gegenwärtigen und zukünftigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen vollumfänglich berücksichtigt und die Bedürfnisse der Besucher, der Industrie, der Umwelt und der Einheimischen integriert werden. Super Ansatz, nicht wahr? Und wo genau findet man diese Form denn jetzt?

Nach meinen jahrelangen Tätigkeiten in der Gastronomie und Hotellerie, darunter auch diverse Selbständigkeiten, dachte ich mir, ich will da mal ganz eintauchen und das hautnah erleben können. Was bedeutet das für den Gast? Und was für den Hotellier?

Costa Rica

Also begann meine Recherche zum Thema Ökotourismus. Nach diversen „Google“-Runden viel ein Name ganz besonders oft und zwar „Costa Rica“. Jahrelang wurde dort bereits auf „Eco-Tourism“ gesetzt. Zukünftig will man aber auf nachhaltigen und sozial verantwortlichen Tourismus setzen. Dazu gehöre die Einbindung lokaler Initiativen für Umweltschutz, die Förderung kleiner Unternehmen und der ländlichen Bevölkerung. Aha. Das will ich aber sehen wie die das dort mitten im Dschungel hinbekommen.

sanfter Tourismus Costa Rica
immer mehr Touristen fordern einen nachhaltiger-Tourismus in Costa Rica

Praktikum

Papier ist ja bekanntlich sehr geduldig. Und wenn man 1000 km von diesem Land entfernt ist, können die einem ja schnell mal etwas erzählen. Das muss ich mir schon genauer ansehen. Also hab ich mich mal auf die Suche nach Praktikastellen gemacht. Dabei bin ich dann auch schnell fündig geworden. Alles ausgemacht und mich im Job beurlauben lassen. Rundum verzichten. „Fesch“. Alles Hab und Gut passt genau in einen Rucksack. Herrlich. So wenig Verantwortung. Fängt ja schon mal gut an.

Lokalaugenschein

Costa Rica ist wirklich ein wundervolles, grünes und tierreiches Land. Costa Rica beherbergt fünf Prozent aller weltweit bekannten Tierarten auf einer Fläche von nur 30.000 Quadratkilometern, ein Viertel alleine ist reines Schutzgebiet. Man sieht auch immer wieder aufgeforstete Stellen, da darauf in den letzten Jahren sehr viel Wert gelegt wurde.  

Das mittelamerikanische Land, das seine Armee abgeschafft hat und dessen Energieversorgung sich zu 99 Prozent aus erneuerbaren Quellen speist, ist zugegeben wirklich ein Musterbeispiel, auch für Landschaftsschutz in der Region.

Umsetzung

Natürlich bedarf es für die vollkommene Umsetzung noch einiges an Infrastruktur. Vor allem in den etwas abgelegenen Gebieten wie zB rund um Samara. Die Strände sind hier noch stark vermüllt, auch neben den Straßen findet man immer wieder verbrannte Haufen Privatmüll. Auch leiden die Einwohner Costa Ricas zudem trotz großer Fortschritte unter Armut und Arbeitslosigkeit.

Es ist klar erkennbar, dass ein Großteil der Bevölkerung im Handel, im Service, in der Fertigung oder in der Landwirtschaft tätig ist. Sektoren wie Transport, Baugewerbe o.ä. fallen in dieser Abbildung prozentual gering aus, da die meisten Arbeiter in diesen Bereichen inoffiziell und ohne gesicherte Arbeitsverhältnisse angestellt sind. Solche Zustände dürfte es heute eigentlich in keinem Land mehr geben.

Luftverschmutzung

Einer der wohl gewichtigsten Punkte ist jener der Luftverschmutzung. In Costa Rica hat insbesondere die Zunahme der Fahrzeuge auf den Straßen direkte Auswirkungen auf die Luftqualität. Dies betrifft vor allem städtische Gebiete. Die empfohlenen Grenzwerte der WHO werden regelmäßig überschritten. In San Jose zum Beispiel herrscht ein Gewusel von Fahrzeugen aller Art und das nahezu 24 Stunden am Tag. Alleine schon der Lärmpegel ist unerträglich. Ich selber konnte es dort keine 18 Stunden aushalten (inkl. Nicht-Schlafen-Könnens aufgrund der stickigen Luft und des Gehupes).

Konsumentnebewusstsein

Ein nachhaltiges Verbraucherverhalten ist als „Idee“ in Costa Rica auf jeden Fall an jeder Ecke greif- und sichtbar. Es gibt zahlreiche Frutterias oder Organic Stores. Auch in allen Supermärkten gibt es fast immer auch eine „Organic-Variante“ zur Auswahl. Ein nachhaltiges Verbraucherverhalten allerdings bedeutet nämlich auch sozial- und umweltverträgliche Produkte zu kaufen und die ökologisch, ökonomisch, kulturellen und sozialen Folgen und Kosten des eigenen Konsums zu minimieren. Wie aber soll dies aufgrund der Einkommensschere möglich sein? Organic Produkte sind wesentlich teurer. Auch sonst sind die Lebensmittelpreise nahezu wie in Europa.

Abfallbewusstsein

Im Gegensatz zu Europa gibt es hier nur noch selten bis nie Plastiktüten in den Shops. Ausgesprochen lobenswert. Es ist auch immer wieder ein Hinweisschild vorzufinden auf Plastik zu verzichten. Auch in öffentlichen Parks gibt es Hinweisschilder mit dem Aufruf zu recyclen. Wandmalerei mit der Bitte Bewusst mit Wasser umzugehen finden man in den Städten an mehreren Ecken. Auch gibt es schon lange keine Plastikhalme mehr. Die lästigen Strohalme sind nämlich aus organic Cocos oder aus wiederverwertbaren Materialien.

Zukunft

Die Ausrichtung passt jedenfalls sehr gut, finde ich. Das Bewusstsein ist da. Die Bereitschaft zu verzichten ebenso. Nachhaltigkeit ist jedermann ein Begriff. Man lebt im Einklang mit der Natur. Wenn die Bevölkerung es vormacht, kann man als Tourist nur direkt miteinsteigen. Und meine Erfahrung? Es macht das Leben so einfach und deswegen so lebenswert. Jeder Gast den ich bis dato als Praktikantin begrüßen durfte, war dankbar. Es ist spürbar und tut gut. Vor allem läd es auf sehr beeindruckende und unauffällige Weise wieder die Batterien auf.

Stolperteine

Es mangelt eben an (staatlicher) Unterstützung damit eine Umsetzung glücken kann. Vielleicht an einem organisierten Abfallsystem. Aufgrund der zahlreichen Gruppierungen unter den Millenials die überall spürbar sind, ist das aber nur noch eine Frage der Zeit.

Eine sehr gute Ausrichtung – Pura Vida – eben!

Ihr seid auf der Suche nach einem Naturidyll, dann einfach hier lang. Lodges inmitten eines Naturschutzgebietes. Das Ganze in Samara Costa Rica. Chiliger Ort am pazifischen Ozean in Costa Rica. Locker drauf sein ist hier angesagt.

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